Erinnerungen an Wendisch Paulsdorf
Text und Fotos von Günter Vogel

 
1965
 

 Sozialistische Umgestaltung in der Landwirtschaft – Zwangskollektivierung
Im Zuge der Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft wurden bis Mitte 1960 alle Einzelbauern in eine LPG gepresst.
(LPG = Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft)

In den 3 Ortsteilen von Rosenhain waren dies:

Rosenhain A:
LPG "Freier Bauer"

Rosenhain B (Wendisch Paulsdorf):
LPG "Morgenröte"

Rosenhain C (Wendisch Cunnersdorf):
LPG "Am Grundwasser"

Es gab eine Besonderheit in Rosenhain B: 2 Einzelbauern traten nicht in die LPG Morgenröte ein, sondern schlossen sich als Brigade der LPG "Am Grundwasser" Rosenhain C an.

Nachsatz: Das 1. vollgenossenschaftliche Dorf im Kreis Löbau war Georgewitz.

 

um 1966
Dieser Traktor vom Typ RS 01 - Pionier - fuhr in den Graben und blieb dort
mit Vorderachsbruch liegen. Der Unfallort war etwa 25 m oberhalb des
Feuerwehr-Gerätehauses in Wendisch Paulsdorf.

Der RS 01 - Pionier war seinerzeit ein sehr verbreiteter Schlepper. 
Ich glaube mich zu erinnern, dass dieser in der MTS (Maschinen-
Traktoren-Station) Bischdorf stationiert war.

 

1965
Wendisch Paulsdorf, früher Nummer 7
Das Haus ist mein Geburtshaus, in dem ich bis 1976 wohnte. Das Gebäude
gehört zu einem 4-Seitenhof. Damals wohnten 3 Generationen unter einem Dach.

 

 Oktober 1968
Das Bild ist vom Standort Feuerwehrgerätehaus aufgenommen.
 Im Grundstück weiter unten ist jetzt die Gaststätte "Zur Tränke" angesiedelt.
20 m vom Standpunkt des Fotografen war der Traktorunfall.
Die Motorradfahrer auf  MZ  ES 150.

Wendisch Paulsdorf - der alte Bolzplatz
Eine Aufnahme aus dem Jahre 1965. Sie zeigt den alten Bolzplatz in Wendisch Paulsdorf, der Ende der 50er Anfang der 60er Jahre ein beliebter Treffpunkt der Paulsdorfer Jungen war.
Bis zum Kriegsende gehörte dieses Land dem damaligen  Bürgermeister Jenke. 
Im Hintergrund ist die Eisenbahnstrecke Löbau - Görlitz und Wendisch Cunnersdorf zu sehen. Ganz im Hintergrund grüßt der Rosenhainer Berg.

 
Kriegsende in Wendisch Paulsdorf, Mai 1945 
von
Günter Vogel:

Aufzeichnungen meiner Mutter über die Erlebnisse in den letzten 3 Tagen des
2. Weltkriegs, also den 06., 07. und 08. Mai 1945   
 In den letzten Kriegsjahren gab es keine Kalender mehr, deshalb diente der vorliegende Kalender für das Jahr 1943 auch für die Jahre 1944 und 1945. Die blauen Krakel sind von mir als Kleinkind dort platziert worden.
 
06. Mai.1945:
Das Artilleriefeuer hatte man in Wendisch-Paulsdorf ganz deutlich gehört und die Einschläge gespürt.

07. Mai 1945:
Die Evakuierung erfolgte mit dem Ernteleiterwagen, der für eine Flucht hergerichtet wurde. Über die Leitern wurde die Ernteplane gespannt und viele notwendige Dingen aufgeladen. Gezogen wurde der Wagen von zwei Milchkühen, nämlich von Liesel und Lotte. Vom eigenen Hof ging es an der Windmühle vorbei, immer geradeaus über die Bernstädter Straße in Richtung Schwarzbusch bis zum Sommerstall.
 
08. Mai 1945:
Wegen der Kriegslage wies der Leiter des Evakuierungstrecks an, weiter zu ziehen. Ich gehe davon aus, dass dies über den Schwarzbusch in Richtung Galgenberg erfolgt sein musste, Damals gab es deutlich mehr befestigte Feldwege als heute. Weiter ging es über Herwigsdorf bis zum Strahwalder Forsthaus. Dort lagerte man auf der großen Wiese. Die Front überrollte die Flüchtlinge. Über den Flüchtlingen lag Artilleriefeuer. Ein sowjetischer Soldat mahnte die Leute, bei den Schusswechseln immer flach am Boden zu bleiben und die Köpfe in die Erde zu drücken. Antje, ein kleines Kind aus der Nachbarschaft, welches auch dort sein musste, wurde von einem Sowjetsoldaten mit seinem Körper geschützt, während er mit seiner Maschinenpistole vom Typ Spagin auf die mit Fahrrädern in Richtung Strahwalde flüchtenden deutschen Soldaten feuerte. In der Zeit des Schusswechsels graste Kuh Liesel in aller Ruhe auf der Wiese. Da war die Sorge groß, dass sie durch einen Schuss getroffen wurde und umfiel. Während dieser Schießerei legte sich Kuh Liesel ganz nah an meine Mutter und meine Oma und kaute wieder. Sie wollte wohl sagen, keine Angst, es geht alles gut.
Danach fuhr der Treck über Ottenhain, Ebersdorf und dann bis zum Schwarzbusch, Sommerstall wieder nach Rosenhain II zurück. Zuhause angekommen, waren die Wohnung und die Gebäude, die nicht abgeschlossen waren, völlig durchwühlt. Gegenstände wurden geraubt.

09. Mai 1945:
Aus Angst vor Übergriffen hielten sich meine Mutter mit meiner Oma versteckt. Aus dem Versteck hörten die beiden Frauen die Plünderungen, konnten aber aus Angst nichts dagegen tun.
Später versteckte sich nur noch meine Mutter, da junge Frauen sehr unter der Willkür der ersten Besatzer litten. Später beruhigte sich die Lage langsam.
 
 Amtshauptmannschaft Löbau - Führerschein, 1949 

Eine der letzten Amtshandlungen der eigenständigen Gemeinde Wendisch
Paulsdorf war die Aushändigung eines Führerscheines an Herrn Richard Paul.

1939 wurde Wendisch Paulsdorf nach Rosenhain eingemeindet.
Der letzte Bürgermeister von Wendisch Paulsdorf war Herr Jenke.